Die Psychotherapie umfasst die Gesamtheit der psychologischen Verfahren zur Heilung oder Linderung von Störungen im psychischen Bereich, in sozialen Beziehungen, im Verhalten oder auch in bestimmten Körperfunktionen. Eine gute psychotherapeutische Behandlung besteht kurz gesagt auf folgenden Bausteinen, die ich unten genauer beschreibe:

Einzelfallorientierung

Ein Hauptgrund für mein Interesse für die Psychologie des Menschen und für die Psychotherapie ist deren Vielfalt. Jeder Mensch, jeder Charakter, jede Erkrankung und jede psychotherapeutische Behandlung ist neu und anders. Einzelfallorientierung und Individualisierung sind daher die Grundlage jeder effektiven Behandlung. Psychische Probleme sind so vielseitig wie wir Menschen vielseitig sind. Daher muss eine Therapie immer “maßgeschneidert” an die Person und ihre Symptomatik angepasst werden.

Klärung

Zunächst geht es in der Psychotherapie um eine Klärung der Problematik und des Anliegens. Was genau sind die belastenden Lebensumstände und womit stehen diese in Zusammenhang? Oft stößt man bei der Klärung dieser Fragen auf einen oder mehrere Konflikte. Ein Konflikt entsteht dann, wenn Interessen, Ziele oder Anliegen unvereinbar erscheinen. Eine gute Klärung erlaubt eine effektive Behandlung die zielgerichtet ist und deren Erfolge überprüfbar sind.

Wertschätzung

Oft kann die Klärung im Gespräch auch schon zu einer ersten Entlastung führen. Dies gelingt am besten bei einer wertschätzenden, respektvollen Therapiebeziehung, wo sich authentisch auf Augenhöhe begegnet wird. Sie sind Expert:in für sich selbst und ich bin Experte für Psychotherapie und im Idealfall arbeiten wir als Team auf ein gemeinsames Ziel hin.

Trotz der oben angeführten Einzelfallorientierung gibt es bestimmte psychologische Begriffe, die sich erfahrungsgemäß als hilfreich beim Klären und Veranschaulichen der Symptomatik erwiesen haben. Die Verwendung dieser Begriffe wirkt oft „entpathologisierend“. Das bedeutet, dass ein problematisches Verhalten oder Gefühl nicht grundsätzlich „krank“ oder „schlecht“ ist, sondern eher zur falschen Zeit am falschen Ort.

Bedürfnisorientierung

Zu diesen wichtigen Begriffen zähle ich zunächst die psychologischen Grundbedürfnisse. Körperliche Grundbedürfnisse, wie Nahrungsaufnahme, Sexualität und Schlaf sind uns allen bekannt. Psychologische Grundbedürfnisse sind weniger greifbar. Die moderne Psychologie geht jedoch davon aus, dass die Vernachlässigung bestimmter psychischer Grundbedürfnisse schädlich, wenn nicht sogar lebensgefährlich ist. Hierzu gehören die Bedürfnisse nach Bindung, nach Selbstwert, nach Orientierung/Kontrolle und nach Lust/bzw. Unlustvermeidung. Optimale körperliche und psychische Bedürfnisbefriedigung führt zu Wohlbefinden und ist daher ein wichtiges Ziel der Behandlung.

Ressourcenorientierung

Ein Mensch lernt im Laufe seines Lebens, wie er den Zustand optimaler psychischer und körperlicher Befriedigung der Grundbedürfnisse herstellen kann. Die Lernerfahrungen bestehen aus vielen Einzelsituationen, die sich mit der Zeit zu bestimmten Annahmen verfestigen, z.B. „wenn ich meine Meinung sage, können andere diese berücksichtigen“. Diese Annahmen können klar benennbare Gedanken sein. Meist sind sie aber versteckter und äußern sich eher in Charakterzügen, Launen oder Persönlichkeitsanteilen. Die meisten dieser Grundannahmen sind sinnvoll, hilfreich und führen uns zum gewünschten Ziel. Diese „funktionalen“ Grundannahmen lassen sich in der Therapie als „Ressourcen“ nutzen. Mit dem Alter eines Menschen wächst die Anzahl der Grundannahmen. Man ist auf immer mehr Situationen innerlich vorbereitet. Man verfügt über einen breiten Erfahrungsschatz und kann damit viele Probleme lösen.

Es kann aber auch vorkommen, dass solche Grundannahmen veralten. Eine Grundannahme, die in der Kindheit in der Ursprungsfamilie gut passte, ist evtl. im beruflichen Umfeld nicht mehr sinnvoll oder bringt sogar Probleme mit sich. Beispielsweise kann durch einen hohen Anspruch der Eltern die Annahme entstehen, „nur wenn ich Leistung bringe, bekomme ich Zuneigung“. Wenn das im späteren Leben die einzige Strategie ist, um Zuneigung zu bekommen, neigt man vielleicht dazu sich zu überarbeiten. Die langfristige Überlastung kann dann zu Erschöpfung, Depression, Ängsten und/oder anderen „Symptomen“ führen.

Freie Entscheidung

Es ist also wichtig, die eigenen Grundannahmen hin und wieder zu überprüfen und an die aktuelle Lebenssituation anzupassen. Das Hinterfragen von Grundannahmen und die Formulierung funktionaler Alternativen ist ein wichtiges Element einer psychotherapeutischen Behandlung. Das bedeutet, dass man sich als freier Mensch immer neu für ein Verhalten entscheidet, anstatt nach alten Mustern zu handeln. Man kann das gut an einem Beispiel verdeutlichen. Als Kind kann man alle Ziele gut mit dem Fahrrad erreichen. Als Erwachsener braucht man evtl. auch mal andere Strategien zur Zielerreichung, z.B. Auto oder Bahn. Am mobilsten ist man, wenn man zwischen vielen Strategien flexibel wählen kann. Wieder auf die Therapie übertragen bedeutet das, den Aufbau neuer Strategien, die Wiedererweckung alter Strategien und den flexiblen Wechsel zwischen diesen zu üben.

Lebensnähe

Diese Beschreibung der Psychotherapie mag Ihnen etwas technisch vorkommen. Tatsächlich ist es eine Herausforderung von der rationalen Erkenntnis ins Fühlen und Erleben und damit auch in die langfristige Umsetzung im Alltag zu kommen. Hierzu ist es sinnvoll die Therapie lebensnah zu gestalten und immer wieder die begleitenden Gefühle erlebbar zu machen. Auch hier zeigt sich wieder die Wichtigkeit der individuellen Ausrichtung der Behandlung.

Sagt Ihnen diesen Vorgehen zu, haben Sie Fragen oder Anregungen, nutzen Sie gerne das Kontaktformular und vereinbaren Sie ein unverbindliches Erstgespräch.